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Limited gründen – Vor- und Nachteile

Veröffentlicht von Franz Sauerstein am 27. September 2016
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Eine interessante Alternative zu deutschen Rechtsformen ist die englische Limited (Ltd.). Eine Zeitlang war sie außerordentlich populär bei deutschen Gründungswilligen. Dafür sorgten Eigenschaften wie ein geringes Startkapital
und die Haftungsbeschränkung der Gesellschafter. Aber ist die Limited immer noch eine gute Alternative nach dem #BREXIT?Sie wollen eine Limited gründen? Wir zeigen Ihnen die Vor- und Nachteile.

Mittlerweile steht ihnen mit der Unternehmergesellschaft (UG) eine ähnliche deutsche Rechtsform zur Verfügung. Zudem
ist die Gründung einer Limited mit deutlichen Nachteilen verbunden, die Sie bei der Auswahl einer Rechtsform unbedingt berücksichtigen sollten. In den folgenden Kapiteln erhalten Sie eine Übersicht über die zentralen Eigenschaften dieser Rechtsform und deren potenziellen Auswirkungen. Am Ende des Artikels finden Sie eine Checkliste für die Gründung einer UG.



1) Vorteil 1: Niedriges Mindestkapital

2) Vorteil 2: Freiheit bei der Namenswahl

3) Vorteil 3: Kurze Gründungsdauer

4) Vorteil 4: Beschränkte Haftung

5) Nachteil 1: Komplizierte rechtliche Voraussetzungen

6) Nachteil 2: Imagenachteile

7) Nachteil 3: Kosten durch die Vertretung in England

8) Nachteil 4: Ungewisse Zukunft

9) Fazit: Im Zweifelsfall lieber einen Blick auf die UG werfen




Vorteil 1: Niedriges Mindestkapital

Sie haben wenig Kapital zur Verfügung und keine Lust auf die aufwendige Suche nach Geldgebern? Für die Gründung 

einer Limited reicht bereits ein Mindestkapital von einem englischen Pfund. Das erscheint besonders wenig im
Vergleich zu den 25.000 Euro, die Sie vorweisen müssen, wenn Sie eine GmbH ins Leben rufen möchten.

Allerdings gilt es zu beachten, dass bei einer Limited diverse Zusatzkosten anfallen, zum Beispiel für die erforderliche Vertretung in England.

Gründerschiff - Leinen los. Zukunft in Sicht.

Tipp: Informationen zu verschiedenen Rechtsformen und ihren zentralen Eigenschaften erhalten Sie in
unserem Logbucheintrag „Welche Rechtsform ist die richtige für mein Vorhaben?“.Gründerschiff - Leinen los. Zukunft in Sicht.



Vorteil 2: Freiheit bei der Namenswahl

Ihnen schwebt ein ganz bestimmter Name für Ihr Unternehmen vor? Leider ist ein solcher Wunsch nicht bei jeder
Rechtsform umsetzbar. So ist oftmals die Angabe des eigenen Namens und / oder eines bestimmten Zusatzes verpflichtend. Bei einer Limited genießen Sie dagegen volle Freiheit bei der Namenswahl – fast zumindest. Denn der Firmenname
muss die Bezeichnung „limited“ enthalten.

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Tipp: Für die Namensgebung bei Einzelunternehmen gelten besonders strikteVorschriften. Informationen dazu
erhalten Sie in unserem Logbucheintrag „Name für Einzelunternehmen – Vorschriften und Tipps“. Gründerschiff - Leinen los. Zukunft in Sicht.



Vorteil 3: kurze Gründungsdauer

Sie haben keine Lust, zu warten? Ihre Unternehmensgründung soll möglichst schnell über die Bühne gehen,
ohne komplizierte Anmeldungen und den Gang zum Notar? Für die Gründung einer Limited ist ein einfacher Gesellschaftsvertrag in aller Regel ausreichend.

Mehr als zwei Wochen dauert der gesamte Vorgang selten. Zum Vergleich: Die Gründung einer GmbH kann sich über mehrere Monate hinziehen. Beachten Sie allerdings, dass der Gesellschaftsvertrag einer Limited sowohl in englischer
Sprache gehalten als auch englischem Recht entsprechen muss.



Vorteil 4: Beschränkte Haftung

Bei einer Limited haften Sie – wie bei einer GmbH – nur mit Ihrer Einlage. Die entsprechende Summe kann sehr gering ausfallen, da die Anforderungen an das Mindestkapital gering sind. Voraussetzung für die beschränkte Haftung ist allerdings, dass englische Gerichte sie anerkennen. Das ist leider nicht immer der Fall.



Nachteil 1: Komplizierte rechtliche Voraussetzungen

Dieser Aspekt schließt sich direkt an den vorangegangenen an. Schließlich bewegen Sie sich mit einer Limited gleichsam zwischen zwei Rechtssystemen, eine Tatsache, die ihre eigenen Gefahren birgt.

Außerdem müssen Sie die umfangreichen Forderungen des englischen ‚Gesellschaftsrechts an Limiteds erfüllen.
Diese schließen das jährliche Einreichen folgender Schriftstücke ein:

  • Bilanz
  • Gewinn- und Verlustrechnung
  • Berichte der Direktoren des Unternehmens
  • Testat des Wirtschaftsprüfers (Auditors)

Kommen Sie diesen Forderungen nicht fristgerecht nach, riskieren Sie nicht nur satte Geldstrafen, sondern sogar eine Löschung aus dem Register, die wiederum eine volle persönliche Haftung zur Folge hat.

Auch in anderen rechtlichen beziehungsweise steuerlichen Belangen erfordert eine Limited letztlich einen Spagat zwischen zwei Rechtssystemen – der ohne kostenaufwendige Beratung schwer zu bewältigen ist.



Nachteil 2: Imagenachteile

Das geringe Mindestkapital bei der Gründung einer Limited ist einerseits ein Vorteil. Andererseits kann es sich negativ auf die Kreditwürdigkeit Ihres Unternehmens auswirken. Verhältnismäßig groß ist auch die Gefahr, dass potenzielle Geschäftspartner argwöhnisch sind und Ihre Gesellschaft genau unter die Lupe nehmen. Schließlich lockt die Rechtsform
der Limited Gründer an, die wenig ehrbare Ziele verfolgen.



Nachteil 3: Kosten durch die Vertretung in England

Für eine Limited in Deutschland benötigen Sie schon für die Gründung eine offizielle Vertretung in England inklusive
einer Postadres
se. Es gibt mehrere Dienstleister, die Sie dabei unterstützen. Dies kostet jedoch Geld – ein Faktor, der die Gründung einer Limited teurer macht, als es im ersten Moment scheinen mag.



Nachteil 4: Ungewisse Zukunft

Was der bevorstehende „Brexit“ für die mehreren Tausend deutschen Limiteds bedeutet, ist derzeit noch nicht absehbar. Entfällt die Niederlassungsfreiheit für englische Unternehmen in Zukunft, könnte das dazu führen, dass heutige Limiteds automatisch wie Gesellschaften bürgerlichen Rechts oder offene Handelsgesellschaften behandelt werden würden.

Wer dies und die damit einhergehende persönliche Haftung vermeiden möchte, müsste dann eine komplizierte und teure Umwandlung in eine GmbH versuchen. Dass dieser Fall eintritt, ist alles andere als sicher, aber die Möglichkeit allein Grund zur Sorge.



Fazit: Im Zweifelsfall lieber einen Blick auf die UG werfen

In der jüngsten Vergangenheit hat die Beliebtheit der Limited konstant abgenommen. Das liegt maßgeblich an der Einführung der Unternehmergesellschaft UG. Diese bringt dieselben bzw. ähnliche Vorteile mit sich, unter anderem
das niedrige Mindestkapital und die beschränkte Haftung. Zugleich entfällt hier der schwierige Spagat zwischen zwei Rechtssystemen.

Aus diesen Gründen und der ungewissen Zukunft der Limited empfehlen wir Unternehmensgründern, einen Blick auf
die UG zu werfen
, bevor Sie sich für die schwierige englische Gesellschaftsform entscheiden.

Wie Sie Ihre UG in 6 Schritten anmelden und was es dabei zu beachten gibt, erfahren Sie mit unserer Anleitung. Drücken Sie einfach auf den Button, um diese herunterzuladen:

UG anmelden in 6 Schritten

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Themen: Background, Geschäftsmodellentwicklung, Wissen, Selbstständigkeit, Mitgründer, Rechtsform, Finanzierung